rote und weiße Johannisbeeren

Rote Johannisbeeren

Auszug aus dem Fachmagazin „Obstbau“, Ausgabe 05/2022, von Dr. Helga Buchter-Weisbrodt

 

Schützende Fruchtsäure

Es gibt keine Handvoll Beerenobstarten, die gesünder sind als die Schwarze Johannisbeere. Etwas weniger gehaltvoll, aber deutlich beliebter als Frischobst sind Rote Johannisbeeren. Die je nach Sorte von Juni bis September verfügbare Sommerbeere erfrischt nicht nur, sie stabilisiert zugleich Mund- und Darmflora, beugt Krebs und Infarkten vor.

Auch wenn beim Strauchbeerenobst die Blaubeere die Rote Johannisbeere überholt hat, ist die Anbaufläche in Deutschland mit knapp 1000 ha dennoch beachtlich. 500 Betriebe erzeugen hier etwa 7500 t Früchte, die überwiegend frisch vermarktet werden.

Ihren deutschen Namen hat die Frucht dem Reifezeitpunkt zu verdanken. Der aus Bergzabern (lateinisch Tabernae montanae) stammende Jacob Dietrich nannte sich als Arzt und Apotheker Jacobus Theodorus Tabernaemontanus und schrieb in seinen Neuw Kreuterbuch von 1588: „St. Johannsträublein also genennet darum, dass sie gewöhnlich um St. Johannstag, das ist zu Ende des Brachmonats, zeitig werden.“ Er empfahl sie bei Ruhr, Magenleiden, Leberentzündung, Fieber und Problemen im Mund oder Rachen.

 

Desinfizieren und reinigen

Bei den von Juni bis September verfügbaren Roten Johannisbeeren stehen die schützenden Fruchtsäuren im Fokus. Mit einem Säuregehalt von 2,2 g/100 g essbarem Anteil (je nach Sorte 1,9 bis 2,8 g) zählt die Rote Johannisbeere zu den säurereichsten heimischen Obstarten, knapp hinter der Schwarzen Johannisbeere mit durchschnittlich 2,6 g. Himbeeren enthalten 2,1 g, Brombeeren 1,7 g, Stachelbeeren 1,4 g und Erdbeeren 1,0 g. Dabei gibt es deutliche Sortenunterschiede. Bei Roten Johannisbeeren sind Spätsorten oft säurebetonter als Frühsorten. Weiße Sorten schmecken vielfach etwas milder: sie enthalten meist weniger Säure und zugleich etwas mehr Zucker. Äpfelsäure macht unter 10 % des Gesamtsäuregehaltes aus, der Rest entfällt überwiegend auf Zitronensäure.

Diese reichlich enthaltenen organischen Säuren stabilisieren die Mundflora und verbessern den Aufschluss der Nährstoffe. In Verbindung mit weiteren Inhaltsstoffen wirkt die Frucht zudem blutreinigend, desinfizierend und magenstärkend. Auch die positive Darmflora wird gefördert.

Hier wirken die Ballaststoffe unterstützend, der Gehalt ist mit je nach Sorte 3 bis 5 % sehr hoch. Sie wirken wie eine Putzkolonne auf den gesamten Organismus, reinigen dabei aber nicht nur den Darm, sondern senken auch den Cholesterinspiegel und helfen die Gallensäuren im Darm zu binden. Der hohe Zellulose-Anteil unter den Ballaststoffen fördert die Verdauung. Sie ist bei der Johannisbeere so beschaffen, dass sie die mechanische Arbeit der Darmwand verstärkt. Entscheidende Substanz ist hierbei der Zellstoff Pektin. Er ist mit 0,9 g/100 g (Schwankungsbreite 0,7 bis 1,2 g) reichlicher als im Apfel vertreten. Nur die Schwarze Johannisbeere bietet mit 1,7 g mehr. Dabei unterstützt der hohe Kaliumgehalt die Putzfunktion, indem er entwässert.

 

Wirksamer Krebsschutz

Der besonders effektive Krebshemmer Querzetin (bestehend aus verschiedenen Querzetin-Verbindungen aus der Gruppe der Flavonolglykoside) ist in Roten Johannisbeeren mit je nach Sorte und Herkunft 1,3 bis 7,0 mg sehr reichlich enthalten. Weiße Johannisbeeren enthalten geringere Mengen an Querzetin. Diese bioaktive Substanz hemmt nachweislich das negative LDL-Cholesterin. Übertroffen wird die Johannisbeere in Bezug auf diesen Krebs- und Infarkthemmer von der Preiselbeere, die 25 mg des effektiven Oxidationsschutzstoffes enthält. Außer dem mit 36 mg (je nach Sorte 10 bis 80 mg) ebenfalls gut vertretenen Vitamin C und den Flavonoiden wie Querzetin wirken auch die Anthocyane antioxidativ. Sie dienen als Radikalfänger und beugen so Hautalterung, Grauem Star, Hautkrebs und Herzerkrankungen vor.

 

Gesundheit kurz gefasst: 

Rote Johannisbeeren

  • entschlacken und entwässern
  • stabilisieren die Mund- und Darmflora
  • schützen Mund- und Rachenraum
  • verbessern die Zahnfleisch-Gesundheit
  • fördern den Nährstoff-Aufschluss
  • stärken das Immunsystem
  • beugen Grauem Star vor
  • hemmen Tumore
  • harmonisieren den Cholesterinspiegel

 

Zeitschrift „OBSTBAU“

Der vollständige Artikel ist im OBSTBAU Das Fachmagazin für den Obstbauprofi in der Ausgabe 05/2022 erschienen. Hier geht’s zum spannenden Artikel: Schützende Fruchsäure: Rote und Weiße Johannisbeeren – erfrischend, lecker und gesund

 

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